06 Februar, 2019

Hot News 02/2019

Begonnen hat diese Geschichte so: zwei im positiven Sinn verschrobene JapanerInnen in Bayern covern auf reduzierte Weise bevorzugt The Ramones und machen aus Punk kleine Pop-Miniaturen. Man beschränkt sich oft auf Stimmen und den Klang der Ukulele – so habe ich Coconami vor rund zehn Jahren im Spielboden Dornbirn gesehen. Ihren Humor haben sich Nami Kamata und Miyaji seitdem bewahrt und so spielen sie auf der neuen CD “Saikai“ (Trikont) Stücke von Funny van Dannen, natürlich von The Ramones, aber auch ein Stück von Adriano Celentano. Und sie liefern einen weiteren Beleg dafür, dass sich gute Bands irgendwann jedenfalls der Countrymusic zuwenden: hier mit zwei auf das Nötigste reduzierte Covers von Hank Williams („I saw the light“) und eine ins Deutsche übertragene Nummer von Johnny Cash – eine herrlich unprätentiöse und eigenwillige CD des Monats!
Verwandtschaft dürfte über ein paar Ecken wohl bestehen: Dotschy Reinhardt blickt mit großen Augen vom CD-Cover als könnte sie es selbst nicht glauben, das „Chaplin’s Secret“ (Galileo) nun da ist: es ist ein Album, das mit Wonne rückwärts gewandt ist. Der Überbau: im Jahr 1991 findet Charlie Chaplins Tochter Victoria einen Brief, dessen Autor ausführt, ihr Vater wäre nicht in London geboren worden, sondern in Black Patch in Smethwick. Im Jahr von Chaplins Geburt war Black Patch ein Lagerplatz von Roma und Sinti. Für Dotschy Reinhardt war der von Victoria Chaplin gefundene Brief der Ausgangspunkt für ihre CD, die sie eben „Chaplin’s Secret“ nennt. Die Musik verweist Richtung Swing, gleich Stück 1 stammt übrigens von Django Reinhardt himself – eine schöne, nostalgisch anmutende Veröffentlichung.
Bei einem neuen Album von Robert Forster imaginiert so mancher Fan wohl, was daraus im The Go-Betweens-Kontext geworden wäre. Denn Forster macht seit dem Tod von Grant McLennan solo weiter und hat mit „Inferno (Tapete) nun ein neues, schönes Album am Start: es zeigt, dass auch alte Profis stets neu Schwung holen und sich noch weiter entwickeln können, denn Forster hat sich merklich um einen frischen Sound und etwas andere Wendungen beim Songwriting bemüht – der Plan geht auf und so ist „Inferno“ bestens geeignet, um zwischen Klassikern wie „16 Lovers Lane“ und „Spring Rain“ platziert zu werden. Buchtipp: „Grant & I“ (http://lindorec.blogspot.com/2017/11/?m=0). Robert Forster spielt am 10. Mai 2019 im Akzent Theater in Wien.
Hier die erste Single aus "Inferno":

Vor kurzem ist Dota Kehr mit Band im WUK in Wien aufgetreten und hat live ihr schönes neues Album "Die Freiheit" präsentiert: die Texte sind, wie immer bei Dota, angenehm ums Eck gedacht: so ist "Prinz" ein Liebeslied, in dem einem 'Übergangsfreund' nett aber bestimmt erklärt wird, dass er eben nur ein Übergangsfreund ist. Ein Stück bezieht sich auf einen Text von Kafka und auch gesellschaftskritische Zwischentöne haben auf dem Album mühelos Platz - produziert wie live umgesetzt in voller Bandbesetzung ist "Die Freiheit" ein tolles Album, das einen über Monate begleiten kann; oder länger. Als Doppel-CD veröffentlicht, bekommt man 21 Lieder - Zeit nehmen und anhören!

Was für ein Beginn für das gleichnamige Album: „Big Heads Small Minds“ von Joe Carnwath nimmt einen sofort mit auf eine Reise, die irgendwo in den 1980er Jahren bei Orange Juice und Wall Of Voodoo beginnt und bei Bill Pritchard 2019 endet. In dieser Tonart – Indie-Rock mit schneidigen E-Gitarren und einigen Moll-Akkorden – geht es großartig weiter und die Geschichte hinter Carnwath ist gleichsam kitschig: der Amerikaner wurde – so wird kolportiert – als Straßenmusiker von Bono (U2) in London 'entdeckt'. Ob's stimmt ist egal, sein Album belegt, dass Carnwath den Bogen raus hat, hier das Video zu „What are you laughing at?“ – klare Empfehlung!

(jpl)


Joe Carnwath: „Big Heads Small Minds“ (8/10)
Coconami: “Saikai“ (9/10)
Dota: "Die Freiheit" (9/10)
Robert Forster: „Inferno“ (9/10)
Dotschy Reinhardt: „Chaplin’s Secret“ (8/10)


Live:
09.02.2019: The Nonprophets Orchestra, Nachtasyl, 21h
12.02.2019: Protestsongcontest 2019, Rabenhof, 20h
14.02.2019: Satuo, Sargfabrik, Goldschlagstraße 169, 1140 Wien, 19:30h 15.02.2019: Ernst Tiefenthaler & das Kleine Herzkammerorchester, 22h, Kabarett Niedermair, 1080 Wien, Lenaugasse 1A
22.02.2019: Christian Masser, 19 Uhr, Solokonzert, Location:17ten, Haslingergasse 4, 1170 Wien
28.02.2019: Edi Mayr Band, Fania Live, Gürtelbogen 13, 1080 Wien, 21h
07.03.2019: Harlequin's Glance, Babü, Wolkersdorf, 20h 09.03.2019: Townes van Zandt-Tribute, u.a. mit Herald K, Weinbar Gemischter Satz, 1190 Wien, 19:30h
26.04.2019: Herald K: Arena-Bar, Album-Release-Show, Margaretenstr. 117, 1050 Wien, 19:30h
10.05.2019: Robert Forster, Akzent Theater, Argentinierstraße 37, 1040 Wien, 20h, Karten und Informationen: http://www.akzent.at

11 Januar, 2019

Hot News 01/2019

Ernesty International – wäre dieser Mann aus Melbourne, Australia oder London, EU, wer weiß: vielleicht wäre ihm so etwas wie ein Durchbruch bereits gelungen. Songwriting in hoher Qualität, kombiniert mit einer intensiven Stimme – das können die wenigsten bieten. Indie-Americana, wenn man so will, Lieder über den Umgang mit der Welt, mit dem Gegenüber. Wieder hat sich Ernesty ins Internationale zurück gezogen (dieses Mal Richtung Osten) und hat das Album in zwei Wochen im Alleingang eingespielt. Gitarren, aber auch Orgeln und ziemlich viel Chorgesang. Der Rückzug hat sich jedenfalls gelohnt, denn: "but now the demagogues won" ist ein überzeugendes Album, das wie aus einem Guss daher kommt. Und in einem kleinen, verspielten Moment klingt Ernesty gar nach The Go-Betweens - ihr Leute, die ihr Bands besonders gut findet, wenn sie aus Neuseeland oder sonstwo kommen: entdeckt Ernesty International. Anders gesagt: Album des Monats!

Die Formation Rasgue verortet sich mit ihrem Album "Echo" zwischen Jazz, Flamenco und lateinamerikanischen Musiktraditionen: neben quirligen Trompetenläufen ist hier also auch genügend Raum für präzise Gitarrensoli und Musik im laid back-Modus. Immer wieder streckt Rasgue seine Fühler auch Richtung Kuba aus, ein Stück ist nach der kubanischen Stadt "Baracoa" benannt. Ein schönes Album, für das der Gitarrist Nikos Tsiachris 9 von 10 Stücken komponiert hat - nur das abschließende "Asturias" ist eigentlich ein Klavierstück von Isaak Albeniz aus dem Jahr 1892.

Von Gnackwatschn gibt's auch Neuigkeiten: in Kürze erscheint ein neues Album, das neue Video gibt's schon, es hat den lustigen Titel: "Jetzt hobts mi soweit"

Retrospektive: Wim Wenders im Metrokino

Nach der tollen Axel Corti-Retrospektive geht es im Metro-Kino von 10. Jänner bis 4. Februar 2019 mit einer Retrospektive von Wim Wenders weiter: da gibt es Klassiker wie „Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“ oder „Lisbon Story“ genauso wie das Frühwerk „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, eine Handke-Verfilmung, zu sehen. Tipp: am 12.1. und am 2.2. läuft "Der Amerikanische Freund", in dem u.a. Bruno Ganz, Dennis Hopper und Samuel Fuller mitspielen. Die Dokumentation „Von einem der auszog“ (am 23.1.) gibt Einblicke in Wenders Arbeitsweise. Im Foyer ist auch eine Photoausstellung von rund 70 Photos von Wenders zu sehen - hingehen und alles anschauen!

Der wunderbare Plattenladen

Mauricio Boteros Buch "Don Ottos wunderbarer Plattenladen" entführt uns in die kolumbianische Hauptstadt: in Bogota betreibt besagter Don Ottos einen Plattenladen, den alle möglichen Leute aufsuchen, um nach Musik zu fragen. Don Otto ist - wie wahrscheinlich alle MusikarbeiterInnen - auch Psychologe und Sozialarbeiter in einer Person. Mehr als eine Sozialstudie über Bogota ist es aber ein kluges lesenswertes Buch über insbesondere klassische Musik, das Botero im Unionsverlag, Berlin vorgelegt hat. Obwohl klassische Musik dominiert: auch Punks kommen in diesen Laden, an dessen Beispiel Botero zeigt, dass Musik Leben verändern kann. Tipp: beim Lesen gleichzeitig die angesprochenen Platten auflegen.


Demnächst erscheinen übrigens neue Alben Bill Pritchard und von Robert Forster (The Go-Betweens), Forster wird in der Folge am 10. Mai 2019 im Wiener Akzenttheater auftreten. Eben eingetroffen: die neue EP von Go By Ocean aus San Francisco, die glasklare Indie-Rock-Songs liefert. Hier mit dem Video zu "Ring Around The Sun": (jpl)

Mauricio Botero: "Don Ottos wunderbarer Plattenladen" (7/10)
Ernesty International: "but now the demagogues won" (9/10)
Go By Ocean: "Faded Photographs" (8/10)
Rasgue: "Echo" (8/10)
Wim Wenders Retrospektive (10.1.-4.2.2019): https://www.filmarchiv.at

Live:
Do 17.01.2019: Erstes Wiener Heimorgelorchester (Literaturhaus, Seidengasse 13, 1070 Wien) 19h
Do 24.01.2019: Dota Kehr, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 20h
Fr 01.02.2019: Harlequin's Glance, 20h, 7stern, 1070 Wien
Fr 22.02.2019: Christian Masser, 19 Uhr, Solokonzert, Location: 17ten, Haslingergasse 4, 1170 Wien
Mi 27.02.2019: Madrugada, 20h, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 20h
Do 28.02.2019: littledogtown presents: Edi Mayr Trio, Fania live, Gürtelbogen 22-23, 1070 Wien, 21h