06 Juni, 2019

Hot News 06/2019

Mit „Pura Vida“ legt Mísia ein tolles neues Album vor: denn die portugiesische Sängerin agiert zwar in einer Fado-Tradition, wagt sich aber gleichzeitig auf neues Terrain. Neben der gitarra portuguesa, mit ihrem zitherartigen Klang, kommen immer wieder Saiteninstrumente mit mehr Kraft zum Einsatz: E-Gitarren. Überraschend: das Stück „Corazon y hueso“ wird in spanischer Sprache vorgetragen, aber mit einer angedeuteten Flamenco-Gitarre im Fado-Gewand präsentiert. All diese eklektizistischen Neubewertung von Fado gelingen aufgrund der richtigen Dosierung wunderbar und machen „Pura Vida“ zum Album des Monats Juni! Übrigens im Duo live in Wien zu erleben - am 4. Juli 2019 im Theater am Spittelberg.

Nein, dieser Mann verballhornt nicht schon wieder Udo Jürgens. Er heißt wirklich Stefan Jürgens: der Schauspieler („Soko Donau“) legt mit „Was zählt“ eine pop-rockige Platte vor, überraschenderweise hat Jürgens alle Texte selbst geschrieben und zu den meisten Stücken auch die Musik komponiert. So ist es ein persönliches Album geworden, das für Fans ein Muss ist.
And to something completely different: aus New York erreicht uns das Album „The Projector“ von Simone Felice. Brilliant, fand schon der Guardian. Felices Musik spielt in der Liga Dark Indie, Moll überwiegt, doch die Auflösung in Richtung Dur ist immer möglich. Felice schafft es Dringlichkeit zu entwickeln, das sind Songs, die genau so sein müssen. Mit jedem Durchlauf entdeckt man Neues, das ist meist ein gutes Zeichen! Ein kleines Meisterwerk.

„Reset“ nennt Bernhard Eder sein neues Album: dieses Mal ist Eder auf der elektronischen Seite gelandet, seine Songs funktionieren auch in dieser Gewandung gut, weil sie ohnehin von seiner tollen Stimme getragen werden. Für alle, die neu dazu kommen: unbedingt auch die älteren Singer-Songwriting-Alben von Bernhard Eder hören.

Neues Springsteen-Album!

Am 14. Juni 2019 erscheint nach 5 Jahren wieder ein neues Album von Bruce Springsteen: „Western Stars“ – und ja, die Single „Hello Sunshine“ deutet Country-Americana-Anklänge an. Man darf gespannt sein!

Bernhard Eder: „Reset“ (8/10)
Simone Felice: „The Projector“ (9/10)
Stefan Jürgens: „Was zählt“ (7/10)
Mísia: „Pura Vida“ (10/10)

Live:
07.06.2019: Katrin Navessi, Katie Kern @ frauen:musik, Arenabar, Margaretenstr. 117, 1050 Wien, 19:30h
14.06.2019: Katie Kern, Heureka, Skodagasse 17, 1080 Wien, 20h
14.06.2019: "Erinnya", www.schauspielhaus-graz.com von Clemens J. Setz, Schauspielhaus Graz, 20h
14.06.2019: Erstes Wiener Heimorgelorchester, Schauspielhaus Graz, mit Clemens J. Setz, 21.30h
20.06.2019: Herald K, Frau Hopf im Schloßcafe, Tübingen (D), 20h
21.06.2019: The Wichita, Silke Stadlhofer @ Georg Danzer Tribute, Arenabar, Margaretenstr. 117, 1050 Wien, 19:30h
23.06.2019: Caetano Veloso
24.06.2019 – 10.07.2019: Jazzfest Wien, verschiedene Locations in Wien, Programm: www.jazzfest.wien
28.06.2019: Batom, Laura Rafetseder, Nadia Baha, Cafe Schopenhauer, Staudg. 1, 19:30h, 1180 Wien
29.06.2019: nordegg jazzfest (summerstage)
04.07.2019: Mísia: Theater am Spittelberg, 1070 Wien, 19:30h

Jazzfest Wien (24.6.-10.7.2019)

Ab 24. Juni findet in Wien das Jazzfest statt – wie immer mit hochkarätigen Gästen, die so illustre Konzertlocations wie die Oper, das Porgy & Bess, das Jazzland oder den Reigen bespielen werden. Gleichzeitig wird auch die Wien Energie Welt am 29.6. genutzt, dort sind die alten UB40 zu sehen, unglaublich!


„Mit dem „Globe“ haben wir einen neuen Jazzfestival-Schauplatz für bis zu 1.200 Besucherinnen und Besucher“, sagt Festival Organisator Fritz Thom, „das Theater wurde nach dem Brand neu aufgebaut und hat die besten Voraussetzungen für Konzerte.“ Ein Highlight wird sicherlich das Konzert von Gilberto Gil am 5.7. in der Staatsoper. Als Stammgast in Wien kann man Bobby McFerrin bezeichnen, der alljährlich unbesorgt („Don't worry, be happy“) eine Bühne (8.7. Oper) bei uns besteigt und sein Publikum zu begeistern versteht. Hingehen und die 88jährige kubanische Sängerin Omara Portuondo bewundern heißt es für alle Cuba-Aficionados am 5. Juli, dann wird die Staatsoper zur Pilgerstätte, vor inzwischen 8 Jahren ist Portuondo hier zum letzten Mal in Wien aufgetreten, damals gemeinsam mit dem tollen Pianisten Chucho Valdes.

Zu entdecken gibt es am 1. Juli im Porgy & Bess die Sängerin Sarah McCoy, der nach jahrelangem Tingeln nun doch eine größere Karriere gelingen könnte - dank Chilly Gonzales, der sie entdeckt und seinem Label angetragen hat. Jetzt ist McCoy zum ersten Mal in Wien, Entdecker Chilly ist übrigens am 6. Juli auch beim Jazzfest dabei (Staatsoper).
Das Alte Rathaus wird ebenfalls vom Jazzfest bespielt und dort ist Martin Klein am 28. Juni zu hören, dessen Debüt-Album bei Lindo Rec erschienen ist. An diesem Ort spielt auch Alex Deutsch einige Tage davor. Ergänzt wird das Programm durch Jazzmatineen am Rathausplatz, die bei freiem Eintritt stattfinden – bei diesem umfangreichen Angebot sollte für jeden etwas dabei sein! (jpl)

Programm: www.jazzfest.wien

06 Mai, 2019

Hot News 05/2019

Ein programmatischer Titel: “Begin Again“ nennt Norah Jones ihre aktuelle CD-Veröffentlichung, es ist ihr siebentes Album. Ich erinnere mich an ihre erste CD „Come Away With Me“ (2002), die ich besprechen sollte; damals vom Chefredakteur mit den Worten überreicht: „die ist noch so wichtig“. Fünf Grammies später war klar, wer recht hatte – mir gefiel die CD sofort und bald lief dieser blog vom Stapel! Die neue Scheibe ist eine schmale 7-Stücke-Kompilation, bei der sich Jones zum Teil neu positioniert, wenngleich die grundsätzliche Jazz-Pop-Ausrichtung bleibt: beim Eröffnungsstück „My Heart Is Full“ ist ihre so unglaublich warme Stimme kaum wieder zu erkennen, das ändert sich aber mit Fortdauer. Eindringliche Stücke („It Was You“, „Wintertime“) gelingen jedenfalls, bei zwei Stücken hat sich die Tochter von Ravi Shankar von Jeff Tweedy (Wilco) helfen lassen. Ein Album, das bei jedem Durchlauf Neues entdecken lässt, anders gesagt: Album des Monats.
Irgendwann landen (fast) alle bei Country-Music ;-) - Bruce Springsteen, von dem im Juni ein neues Album erscheinen wird, war trotz Stadionrock Folk und Country ja nie abgeneigt, man denke nur an "Nebraska" oder "The Ghost Of Tom Joad". Mit der ersten Single aus dem neuen Album belegt er die eingangs genannte These, denn die Steel-Guitars heulen wunderschön:

"American Love" - das könnte ein Springsteen-Albumtitel sein, ist aber von den Fast Romantics und die sind nicht mal aus Amerika. Schöne Pop-Rock-Songs liefert die Band aus Toronto da, der Hinweis auf Springsteen ist gar nicht so weit hergeholt, die Stimme des Leadsängers hat nicht die Dringlichkeit Springsteens, aber dennoch vermag die Band indie-rockig zu überzeugen. Mit "Radio Waves" hat die Band auch einen Ohrwurm auf ihr Album gegeben, der - wie auch das Stück "Julia" - mit 60ies-Chören punktet.

Diese Dame habe ich schon mal live gesehen: vor ca. 15 Leutchen in Wien. In Barcelona, wo die Amerikanerin Tori Sparks lebt, bekommt sie mehr Zuspruch - das belegt ein Live-Doppel-Album, aufgenommen im Luz de Gas, eindrucksvoll. Sparks ist eine tolle Sängerin und bietet neben eigenen zwischen Jazz und Folk angelegten Liedern auch einige Klassiker auf: "La Llorona" etwa oder "Quizas, quizas, quizas" und ein überraschendes Cover: Leonard Cohens "Everybody Knows" wird hier mit Cajon und akustischer und E-Gitarre in Richtung España aufgelöst. Tori Sparks ist - die Katalanen mögen es nachsehen - einfach hispanophil und liebt es in spanischer Sprache zu singen; das konnte man auch beim intimen Wienauftritt beobachten und es kann auf dem vorliegenden 2fach-Live-Album nachgehört werden. Gut gemacht, beim nächsten Wien-Gig mögen mehr als 15 Menschen anwesend sein! Apropos Cohen: am 23. September 2019 findet im Wiener TAG ein Cohen-Tribute statt!
Ein solides Album legen Chili & the Whalekillers vor: dieser Pop-Rock ist gut gemacht, aber so recht will der Funke nicht überspringen. Einen tollen Song als Anspieltipp gibt's dennoch - und das könnte in Zeiten von Streamingdiensten genügen, um viral zu gehen: Track 3 "Sex in London".
Neues gibt es auch von Aldous Harding, der Song ist schön und der Hut ist außergewöhnlich(!):

Und schon zum Vormerken: von 23. Juni bis 10. Juli findet das Jazz Fest Wien statt - es featured unter anderem für Wien alte Bekannte wie Bobbie McFerrin, aber auch MusikerInnen wie Omara Portuondo und Jamie Cullum werden in der Hauptstadt zu Gast sein - not to be missed! (jpl)

Chili & the Whalekillers: "Are you happy" (5/10)
Fast Romantics: "American Love" (7/10)
Norah Jones: “Begin Again“ (9/10)
Tori Sparks: "Wait No More - The Live Album" (7/10)

Live:
8.5.2019: fluc, Praterstern, 1020 Wien: Rebecca Lou (DK):

10.5.2019: Robert Forster, Akzent Theater, Theresianumgasse 18, 1040 Wien, 19:30h
Karten: hier
14.5.2019: Releaseparty @ Fluc: Vorabsingle "Running Wild" mit Laura Rafetseder, Batom und Nadia Baha / Changeover, 20:30h
14.5.2019: Vesselsky/Kühn: Sargfabrik
16.5.2019: Christian Masser, St. Andrä-Wördern
17.5.2019: Herald K, Heureka, Skodagasse 17, 1080 Wien, 20h
07.6.2019: Katie Kern, Katrin Navessi: frauen:musik, Arenabar, Margaretenstr. 117, 1050 Wien, 19:30h
14.06.2019: Katie Kern, Heureka, Skodagasse 17, 1080 Wien, 20h

Jazz Fest Wien (23.06.–10.07.2019): u.a. mit Bobby McFerrin, Jamie Cullum, Omara Portuondo. Programm: www.viennajazz.org
23.09.2019: Leonard Cohen-Tribute (TAG), Gumpendorfer Str., 1060 Wien, 20h

04 April, 2019

Hot News 04/2019

Dancas Ocultas aus Portugal nehmen einen mit auf eine akustische Reise, „Dentro Esse Mar“, in diesem Meer, heißt das Album und in den Linernotes schreibt die Band: Ein Ozean ist auch ein Meer an Klängen. Dancas Ocultas setzen dieses Motto gekonnt in die Tat um, denn dieses Mal haben sich die vier Akkordeonisten Unterstützung von Perkussion, Cello und Piano geholt. Sogar E-Gitarre und Gesang bietet dieses Klangmeer auf, aufgenommen wurde übrigens auf der anderen Seite des Atlantik, in Brasilien. Bei diesem Mehr an musikalischen Möglichkeiten schwingt auch Brasilien mit, all das ist nicht auf Kosten der schönen Melodie und des klugen Arrangements gegangen; ein glänzendes Album, mit wunderschönen, verträumten Melodien, die einen sofort in ihren Bann ziehen. Kurzum: CD des Monats.
Philip Bradatsch ist ein Könner, das beweist er mit seinem Album „Ghost on a string“ nachhaltig: los geht es mit einer klavierlastigen Ballade, dann kommen die auf Gitarren gespannten strings zum Einsatz und ab Track 2, dem Titelstück, verweisen die Songs in Richtung Americana – Bradatsch hat die passende, ausdrucksstarke Stimme und die nötige Gelassenheit, um schönes Songwriting zu entfalten. Stets fein arrangiert und instrumentiert, auch mal mit Orgel. So dreht das Titelstück im zweiten Teil richtig auf, hin zu einem Chris Rea-artigen Schluss; und „Shadowland“ wabbert schön im Moll dahin. Mit Klasse gemacht.

Das Cover der CD „Tales of America“ von J.S. Ondara gibt die Richtung vor: es zeigt den Musiker mit zum Anschlag bereiter Gitarre, im Anzug, irgendwo am Straßenrand. Wer auch aufgrund des CD-Titels an das große Songbook und an Country- oder zumindest Blues denkt, liegt richtig: denn Ondara spielt seine eigene Variante dieser Musik und da hat auch mal ein a-capella-Stück mit dem Titel „Turkish Bandana“ Platz. Und wer sich an Ondaras Sopranstimme gewöhnt hat, bekommt hier ein Album, das zu entdecken sich lohnt.
Als der Autor und Verleger Gerald Ganglbauer im Alter von 48 Jahren die Diagnose Parkinson erhält, verweigert er zunächst, diese anzuerkennen. Inzwischen ist er 60 Jahre alt und hat nun den Sampler "Parkinsongduets" (ATS Records) veröffentlicht. Motto: people with Parkinson can be rockstars. Der Erlös aus dem CD-Verkauf und den Tantiemen kommt der Parkinson Selbsthilfe zu Gute. Der 11.4. ist der "World Parkinson Day" - an diesem Tag soll man sich weltweit bei Radiosendern Lieder dieser CD wünschen, damit viele Tantiemen fliessen. Tolles Projekt!
Und wie hier schon angekündigt, gibt es nun auch Neues von Bill Pritchard: „Midland Lullabies“ macht eines sofort klar; Pritchard hat seine markante Stimme erhalten und bespielt nach wie vor die Liga 'eigenständiges Songwriting'. Meist laid back am Klavier, aber ab und an auch gerne mit den aus den 80er und 90er-Jahren bereits praktizierten uptempo-Popsongs mit Gitarreunterstützung. Die Pritchardschen Akkordwechsel funktionieren noch immer und so ist es ein Album für alte wie für neu zu gewinnende Fans. Der CD-Titel ist keine Übertreibung, die meisten Stücke wirken vermutlich auch als Lullabies.

Ihr aktuelles Album "Wia Waun" präsentieren Irmi Vesselsky und Wolfgang Kühn in diesen Tage live in concert: das Album verbindet die raffinierten Texte des Poeten und das schöne Songwriting der Pianistin. Die Texte sind ums Eck gedacht und die Musik ist eingängig wie der Ohrwurm "des lebm" belegt, das Piano wird von Fabian Hainzl mit Perkussion, Gitarre und Soundscapes ergänzt. Live zu hören am 5. April in Langenlois.
Noch bis 4. April läuft im Filmcasino das Cine Latino, das insgesamt 17 Filme aus oder mit Bezug zu Lateinamerika präsentiert. Zum Abschluss ist u.a. der mexikanische Filmklassiker "Cabeza der vaca" zu sehen. Als Nachtrag wird wegen der großen Nachfrage am 14.4. am Nachmittag noch ein Mal "Winter in Havanna" laufen und der tolle Film "El Ángel" wird bald regulär ins Filmcasino kommen.
Gleich zwei CD-Präsentationen stehen für Lindo Rec. im April an: am 26. April präsentiert Herald K seine Debüt-CD "Strange Delights" in der Arena Bar (1050) und schon zwei Tage davor präsentieren La Fons ihr Album "II" im Club Chelsea.

Ellison beim Vienna Blues Spring im Reigen

Und noch ein Live-Tipp: noch bis 30 April findet in Wien das Festival "Vienna Blues Spring" statt: am Donnerstag den 25.4. ist Ulrich Ellison zu sehen, der vor rund zehn Jahren Österreich in Richtung Austin, Texas verlassen hat. Allein im Großraum Austin gibt es Hunderte, wenn nicht Tausende Bands; sich dort durchzusetzen und ausgezeichnet zu werden, heißt also schon etwas: Ulrich und Tribe gewannen drei Austin Music Awards, darunter zwei für "Best Funk / Soul / Blues Live Act" und einen für "Best Guitarist" - Ellison war erste Europäer, der je einen solchen Preis erhielt. Ein Highlight des Vienna Blues Spring 2019. Be there! (jpl)

Philip Bradatsch: "Ghost on a string" (8/10)
Dancas Ocultas: "Dentro desse mar" (10/10)
J.S. Ondara: "Tales of America" (7/10)
Bill Pritchard: "Midland Lullabies" (8/10)
VA: "Parkinsongduets" (10/10)
Vesselsky/Kühn: "Wia Waun" (8/10)

05.4.2019: BartolomeyBittmann, EMI Musicstore, 17h
05.4.2019: frauen:musik: Sibylle Kefer, Wendepunkt, Arenabar, Margaretenstr. 117, 1050 Wien, 19:30h
05.4.2019: Vesselsky/Kühn, Arkadensaal, Rudolfstraße 1, 3550 Langenlois, 19h
11.4.2019: Lesung Max Goldt, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 20h
11.4.2019: Christian Kjellvander, Chelsea, Gürtelbogen, 1080 Wien, 21h
19.4.2019: Lambchop, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 20h
24.4.2019: La Fons, Album-Präsentation, Chelsea, Gürtelbogen 38, 1080 Wien, 20:30h
25.4.2019: Ulrich Ellison, Reigen, 20:30h, Vienna Blues Spring, www.viennabluesspring.org
26.4.2019: Herald K, CD-Präsentation, Arenabar, Margaretenstr. 117, 1050 Wien, 19:30h
Ab 27. April 2019: Festival Wean Hean, www.weanhean.at
01.5.2019: Blinded By Stardust, 1.Mai Open-Air Cafe7Stern (Siebensternplatz; 1070 Wien)
14.5.2019: Releaseparty @ Fluc: Vorabsingle "Running Wild" mit Laura Rafetseder, Batom und Nadia Baha / Changeover, 20:30h

01 April, 2019

Interview mit Juleah

Eben ist deine CD „Desert Skies“ erschienen, wie kam es dazu?
Juleah: Im Jahr 2011 habe ich die Gitarre wieder aus dem Keller geholt, nach einer langen Musikpause, in der der Freund und anderes wichtiger war. Damals wollte ich Coverversionen machen, bei denen ich alle Instrumente selbst spiele, als Herausforderung an mich selbst. Das hat mich gereizt und das habe ich dann gemacht. Das hat relativ gut funktioniert und irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich begonnen habe, eigene Lieder zu schrieben. Ich war lange sehr kritisch und habe mir das nicht zugetraut, aber mit dem ersten Lied war ich gleich zufrieden und danach war das ein Selbstläufer und ich habe eigentlich am Fließband Songs geschrieben. Ende 2011 hat das Projekt Juleah begonnen.

Außer dem verflossenen Freund: gab es weitere UnterstützerInnen?
Juleah: Nach der Trennung, war das Musikmachen eine Art Therapie. Personen haben mich sonst keine unterstützt, eher die MusikerInnen, die ich mochte, die Vorbilder, die ich hatte. Insbesondere Songwriter sind meine Vorbilder, ich habe immer versucht auf jedes Instrument einzeln zu hören und die Kunst des Songwritings hat mich immer fasziniert.

Wer zum Beispiel?
Juleah: Noel Gallagher von Oasis ist jemand, der mich sehr inspiriert hat. Brit-Pop habe ich als Jugendliche viel gehört, das war mein Einstieg in das Fan-Sein und in das intensive Musikhören. Oasis geht natürlich auf die Beatles zurück und die sind die Meister dieses Faches und von denen kann man sich viel abschauen und lernen. In den 2000er-Jahre haben mich außerdem noch psychedelische Bands wie die Black Angels oder Black Rebel Motorcycle Club inspiriert.

Hast du bei „Desert Skies“ alle Instrumente selbst eingespielt oder waren andere MusikerInnen beteiligt?
Juleah: Da war es auch so, aber ich hatte beim Schlagzeug Hilfe. Ein befreundeter Schlagzeuger aus Paris hat das Schlagzeug beim Lied "Black Vanilla" eingespielt. Das Aufnehmen des Schlagzeugs ist ziemlich schwierig und deswegen war ich froh, dass ich da Hilfe hatte. Alles andere habe ich selbst eingespielt. In der Live-Umsetzung habe ich sowieso meine MusikerInnen, die die einzelnen Teile übernehmen.

Was hat sich seit dem letzten Album 2015 getan?
Juleah: Nach dem Album habe ich die richtigen MitmusikerInnen für die Live-Umsetzung gefunden. Lange Zeit habe ich mich das aus Schüchternheit nicht getraut. Ich hatte davor nicht das Selbstvertrauen, um auf die Bühne zu gehen. Nachdem ich die richtigen MitmusikerInnen gefunden habe, haben sich viele Konzerte ergeben. Das Projekt und die Menge an Leuten, die meine Musik gerne hört, ist gewachsen.

Das Cover des neuen Albums zeigt Berge in einer wüstenartigen Landschaft. Ist das Vorarlberg mit wegretuschierten Bergen?
Juleah: Das ist wirklich eine Wüste. Am letzten Cover war Vorarlberg am Cover, da habe ich versucht Österreich zu psychedelisieren. Aber die Landschaften, die mich faszinieren sind die Wüste und das Meer. Die Fotos, die beim neuen Album verwendet wurden, habe ich auf den Kanarischen Inseln gemacht.

Was für dich das Besondere am Lied „Analogue“?
Juleah: Ich wollte einen Song machen, bei dem jedes Mitglied in der Band einen Part hat, der ihm richtig Spaß macht. Ich wollte auch, dass der Bass und die Drums ein bisschen im Vordergrund stehen, um den beiden einen Song zu geben, der so richtig Spaß macht, das war die Herausforderung bei diesem Lied. Thematisch geht es darum, dass wir alle nur noch vor den Bildschirmen hängen und das Lied ist ein Plädoyer dafür, wieder mehr in die Natur zu gehen und analoge Erlebnisse schätzen zu lernen. Ich wollte auch, dass sich das im Sound wider spiegelt, das Lied ist ein bisschen vintage-mäßig-verwaschen produziert. Die Stimmen gehen durch einen Megaphon-Effekt, um an analoge Zeiten zu erinnern, in denen wir noch nicht mit der digitalen Flut überschwemmt wurden.

Wann ist ein Lied fertig und du bist damit zufrieden?
Juleah: Ich brauche eine Spannungskurve, ich bin da schon bei der klassischen Abfolge von Vers und Bridge und Chorus. Es braucht einen Höhepunkt, das ist wie eine Reise. Ein Song ist für mich auch dann gelungen, wenn er die Dinge auf den Punkt bringt. Ich mag es nicht, wenn eine halbgute Idee auf sechs Minuten gestreckt wird. Das versuche ich zu vermeiden, ich warte bis ich eine wirklich gute Idee habe und probiere dann auch, in vier Minuten alles zu erzählen. Ich möchte, dass sich die HörerIn denkt: das ist spannend, das ist eine coole Abwechslung im Song.

Du hast das aktuelle Album in einem Theater in Feldkirch präsentiert. Warum?
Juleah: Ich wollte einen besonderen Ort für die Album-Präsentation und habe mir schon überlegt, wie man diesen Ort für eine Album-Präsentation gestalten kann. Dort gibt es Sitzplätze und das ist somit ungewöhnlich für ein Rockkonzert. Ein Freund hat Visuals für uns zusammengestellt, die atmosphärisch dazu gepasst haben. Wir hatten auch noch ein zweites Release-Konzert, bei dem wir viel näher am Publikum dran waren, in einer Konzertsituation, bei der das Publikum gestanden ist. (jpl)

>> https://juleah.bandcamp.com

01 März, 2019

Hot News 03/2019

Ein raffiniertes Album legt die Sängerin Kacey Johansing vor: nach 9 Tracks und 35 Minuten ist man gefangen und drückt auf Replay – oder klickt auf Wiedergabe, je nachdem. Zarte Melodien, allerlei Synthesizer und Gitarren werden hier im Verein mit Piano und Schlagzeug sanft eingesetzt und erzeugen eine stille Dringlichkeit. Johansing schafft es, dass die Musik trotzdem nie zu versponnen daher kommt, sondern durchaus Pop-Appeal hat, getragen von ihrer klarer Stimme – Album des Monats.

Eine EP hat der Singer-Songwriter Tim Snider am Start, damit war er vor kurzem in Europa auf Tour: Snider mischt hier Elektronik und Singer-Songwriting und macht mit den 5 Liedern von Vol. 1 geschickt neugierig auf Vol. 2.; sympathische EP. Die Rhythmen, die Snider verwendet, verweisen zum Teil in Richtung Karibik und leiten damit zu unserem nächsten Release über.

Auf gewohnt sorgfältige Putumayo-Weise wurde das Album “Cuban Playground“ kompiliert, im Glossar werden die wichtigsten Instrumente der kubanischen Musik vorgestellt und im Booklet gibt es eine kurze Einführung zur Geschichte der Karibik-Insel. Die Musik erzählt vom Leben auf Kuba, in einem Lied etwa von einem Empanadas-Verkäufer, das Stück wird passenderweise von der La Familia Valera Miranda gespielt. Einer der populärsten Songs Kubas ist hier ebenso vertreten: Laritza Bacallao spielen „El Buey Cansao“, dabei geht es darum, sich beim Tanz vom Gang eines müden Ochsen inspirieren zu lassen. Inspiration schafft diese CD locker, nicht nur für Kinder.
Musikalisch-historisch nahe bei Kuba liegen auch diese beiden Putumayo-Veröffentlichungen: „African Café“ und „New Orleans Party“ können gleichsam als Ergänzung zur Kuba-CD gehört werden – im afrikanischen Kaffeehaus haben es sich neben Takeifa (Senegal) auch Rokia Traore aus Mali und Jaja Bashengezi (Congo) bequem gemacht. Und die Entspanntheit, mit der hier gegroovt wird, lässt karibische Trägheit schon erahnen. Die New Orleans Party wird mit Einflüssen aus Europa wie aus Afrika gestaltet, unter anderem von Dr. John („Goin' Back To New Orleans“) und Grandpa Elliott („Baby, What You Want Me To Do“). Übrigens: das Label Putumayo selbst hat einen starken Bezug zu New Orleans: für mehrere Jahre hatte man dort sein Hauptbüro.

Herald K mit „Strange Delights“

Noch bis 24.3.2019 läuft in Wien das 20. Akkordeonfestival. Ende April 2019 erscheinen zwei neue CDs auf lindo rec.: Herald K legt mit „Strange Delights“ sein Debüt-Album vor, das live am 26. April in der Arena Bar (1050 Wien) präsentiert wird. La Fons sind keine Newcomer mehr und präsentieren ihr neues Album am 24. April im Chelsea. Und schon zum vormerken; am 14. Mai präsentiert Laura Rafetseder mit "Running Wild" ihre neue Single im fluc.

Vienna Blues Spring im Reigen

Und noch ein Live-Tipp: Von 20. März bis 30 April findet in Wien das Festival "Vienna Blues Spring": "Blues & Grass Supersession 5" heißt es in diesem Rahmen wieder am Freitag den 22. März 2019. Traditionellerweise ist die Blues & Grass Supersession natürlich Teil des Vienna Blues Spring. Wie gewohnt verschmelzen an diesem Abend wieder Klänge aus Blues, Bluegrass, Country, Soul und Western Swing zu einer abwechslungsreichen Melange für alle Liebhaber handgemachter Musik. Seit längerem unverändert ist das bewährte Team aus namhaften Vertretern der heimischen Blues & Country Szene. Neu sind allerdings viele der Songs. Einige davon werden exklusiv für die Blues & Grass Supersession zum ersten Mal präsentiert. Garniert mit einer gesunden Prise Humor und einer stets gut gelaunten Band steht wieder ein Highlight des Vienna Blues Spring am Programm. Be there!

Und von 28. März bis 4. April läuft in Wien das 13. Cine Latino Festival 2019: gezeigt werden 27 Dokumentar- und Spielfilme, Schwerpunktland ist heuer Mexiko. Deswegen ist auch der mit dem Oscar ausgezeichnete Film "Roma" im Rahmen des Festivals im Filmcasino zu sehen. Eröffnungsfilm ist "Pájaros de verano", zum Abschluss wird am 4.4. der klassische mexikanische Film "Cabeza de vaca" gezeigt. An diesem Tag ist auch die kubanische Tanzfilm "Yuli" (16:15) zu sehen, der vom Aufstieg eines Tänzers aus einfachsten Verhältnissen erzählt. Vamos y baila! Das Programm: CINE LATINO
(jpl)

Kacey Johansing: „The Hiding“ (9/10)
Tim Snider: „Vol. 1 – Humanity“ (7/10)
VA: „Cuban Playground“ (8/10)
VA: „New Orleans Party“ (8/10)
VA: „African Café“ (8/10)

Live:
1.3.2019: frauen:musik: u.a. mit Diana Rasina, Margaretenstr. 117, 1050 Wien, 19:30h
Herald K: 09.03.2019: Townes van Zandt-Tribute, Weinbar Gemischter Satz, 1190 Wien, 19:30h 26.04.2019: Arena-Bar, Album-Release-Show, Margaretenstr. 117, 1050 Wien, 19:30h
Laura Rafetseder: 19.03.2019: Laura @ Salon Gustl / bei "Gustl kocht" 14.05.2019: Releaseparty @ Fluc: Vorabsingle "Running Wild" mit Batom und Nadia Baha / Changeover, 20:30h
Vienna Blues Spring: 20.3.-30.4.2019: Programm: http://www.viennabluesspring.org
Nabil: 28.03.2019: Arena-Bar, 19:30h, Margaretenstr. 117, 1050 Wien
Katie Kern: 30.03.2019: Cafe Mocca, S-Bahnstation Gersthof, 21h
La Fons: 24.04.2019: La Fons, Album-Präsentation, Chelsea, Gürtelbogen 38, 1080 Wien, 20:30h

18 Februar, 2019

Frauenfilmtage (28.2. - 7.3.2019)

Von 28. Februar bis 7. März 2019 finden die Frauenfilmtage in Wien statt. Wie alljährlich bringt das Festival internationale Filme nach Wien, die sich insbesondere mit dem Leben von Frauen beschäftigen.



Ungewöhnlich ist gleich der Beginn: eröffnet werden die FrauenFilmTage 2019 mit dem vietnamesischen Film THE THIRD WIFE von Ash Mayfair. Die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen (Kamera: Chananun Chotrungroj) in Kombination mit sphärischen Klängen (Musik: An Ton That) sind pure Poesie. Im ländlichen Vietnam des 19.Jahrhunderts wird die 14-jährige May (Nguyen Phuong Tra My) als dritte Frau an den wohlhabenden Landbesitzer Hung (Long Le Vu) verheiratet. Durch eine Schwangerschaft scheint ihr Status innerhalb der Familie gesichert, doch schon bald erkennt sie, dass ihre Möglichkeiten innerhalb der patriarchalen Strukturen sehr eingeschränkt sind.

Personale: Licht

Die Personale 2019 ist der Lichtmeisterin Kimber Lee Jerrett gewidmet, deren größter Erfolg bisher die Lichtgestaltung für "Das weiße Band" von Michael Haneke war - dabei hat Jerrett mit Kameramann Christian Berger zusammen gearbeitet. Das komplette Programm der Frauenfilmtage 2019 gibt es hier:
>> http://www.frauenfilmtage.at

(jpl)

06 Februar, 2019

Hot News 02/2019

Begonnen hat diese Geschichte so: zwei im positiven Sinn verschrobene JapanerInnen in Bayern covern auf reduzierte Weise bevorzugt The Ramones und machen aus Punk kleine Pop-Miniaturen. Man beschränkt sich oft auf Stimmen und den Klang der Ukulele – so habe ich Coconami vor rund zehn Jahren im Spielboden Dornbirn gesehen. Ihren Humor haben sich Nami Kamata und Miyaji seitdem bewahrt und so spielen sie auf der neuen CD “Saikai“ (Trikont) Stücke von Funny van Dannen, natürlich von The Ramones, aber auch ein Stück von Adriano Celentano. Und sie liefern einen weiteren Beleg dafür, dass sich gute Bands irgendwann jedenfalls der Countrymusic zuwenden: hier mit zwei auf das Nötigste reduzierte Covers von Hank Williams („I saw the light“) und eine ins Deutsche übertragene Nummer von Johnny Cash – eine herrlich unprätentiöse und eigenwillige CD des Monats!
Verwandtschaft dürfte über ein paar Ecken wohl bestehen: Dotschy Reinhardt blickt mit großen Augen vom CD-Cover als könnte sie es selbst nicht glauben, das „Chaplin’s Secret“ (Galileo) nun da ist: es ist ein Album, das mit Wonne rückwärts gewandt ist. Der Überbau: im Jahr 1991 findet Charlie Chaplins Tochter Victoria einen Brief, dessen Autor ausführt, ihr Vater wäre nicht in London geboren worden, sondern in Black Patch in Smethwick. Im Jahr von Chaplins Geburt war Black Patch ein Lagerplatz von Roma und Sinti. Für Dotschy Reinhardt war der von Victoria Chaplin gefundene Brief der Ausgangspunkt für ihre CD, die sie eben „Chaplin’s Secret“ nennt. Die Musik verweist Richtung Swing, gleich Stück 1 stammt übrigens von Django Reinhardt himself – eine schöne, nostalgisch anmutende Veröffentlichung.
Bei einem neuen Album von Robert Forster imaginiert so mancher Fan wohl, was daraus im The Go-Betweens-Kontext geworden wäre. Denn Forster macht seit dem Tod von Grant McLennan solo weiter und hat mit „Inferno (Tapete) nun ein neues, schönes Album am Start: es zeigt, dass auch alte Profis stets neu Schwung holen und sich noch weiter entwickeln können, denn Forster hat sich merklich um einen frischen Sound und etwas andere Wendungen beim Songwriting bemüht – der Plan geht auf und so ist „Inferno“ bestens geeignet, um zwischen Klassikern wie „16 Lovers Lane“ und „Spring Rain“ platziert zu werden. Buchtipp: „Grant & I“ (http://lindorec.blogspot.com/2017/11/?m=0). Robert Forster spielt am 10. Mai 2019 im Akzent Theater in Wien.
Hier die erste Single aus "Inferno":

Vor kurzem ist Dota Kehr mit Band im WUK in Wien aufgetreten und hat live ihr schönes neues Album "Die Freiheit" präsentiert: die Texte sind, wie immer bei Dota, angenehm ums Eck gedacht: so ist "Prinz" ein Liebeslied, in dem einem 'Übergangsfreund' nett aber bestimmt erklärt wird, dass er eben nur ein Übergangsfreund ist. Ein Stück bezieht sich auf einen Text von Kafka und auch gesellschaftskritische Zwischentöne haben auf dem Album mühelos Platz - produziert wie live umgesetzt in voller Bandbesetzung ist "Die Freiheit" ein tolles Album, das einen über Monate begleiten kann; oder länger. Als Doppel-CD veröffentlicht, bekommt man 21 Lieder - Zeit nehmen und anhören!

Was für ein Beginn für das gleichnamige Album: „Big Heads Small Minds“ von Joe Carnwath nimmt einen sofort mit auf eine Reise, die irgendwo in den 1980er Jahren bei Orange Juice und Wall Of Voodoo beginnt und bei Bill Pritchard 2019 endet. In dieser Tonart – Indie-Rock mit schneidigen E-Gitarren und einigen Moll-Akkorden – geht es großartig weiter und die Geschichte hinter Carnwath ist gleichsam kitschig: der Amerikaner wurde – so wird kolportiert – als Straßenmusiker von Bono (U2) in London 'entdeckt'. Ob's stimmt ist egal, sein Album belegt, dass Carnwath den Bogen raus hat, hier das Video zu „What are you laughing at?“ – klare Empfehlung!

(jpl)


Joe Carnwath: „Big Heads Small Minds“ (8/10)
Coconami: “Saikai“ (9/10)
Dota: "Die Freiheit" (9/10)
Robert Forster: „Inferno“ (9/10)
Dotschy Reinhardt: „Chaplin’s Secret“ (8/10)


Live:
09.02.2019: The Nonprophets Orchestra, Nachtasyl, 21h
12.02.2019: Protestsongcontest 2019, Rabenhof, 20h
14.02.2019: Satuo, Sargfabrik, Goldschlagstraße 169, 1140 Wien, 19:30h 15.02.2019: Ernst Tiefenthaler & das Kleine Herzkammerorchester, 22h, Kabarett Niedermair, 1080 Wien, Lenaugasse 1A
22.02.2019: Christian Masser, 19 Uhr, Solokonzert, Location:17ten, Haslingergasse 4, 1170 Wien
28.02.2019: Edi Mayr Band, Fania Live, Gürtelbogen 13, 1080 Wien, 21h
07.03.2019: Harlequin's Glance, Babü, Wolkersdorf, 20h 09.03.2019: Townes van Zandt-Tribute, u.a. mit Herald K, Weinbar Gemischter Satz, 1190 Wien, 19:30h
26.04.2019: Herald K: Arena-Bar, Album-Release-Show, Margaretenstr. 117, 1050 Wien, 19:30h
10.05.2019: Robert Forster, Akzent Theater, Argentinierstraße 37, 1040 Wien, 20h, Karten und Informationen: http://www.akzent.at

11 Januar, 2019

Hot News 01/2019

Ernesty International – wäre dieser Mann aus Melbourne, Australia oder London, EU, wer weiß: vielleicht wäre ihm so etwas wie ein Durchbruch bereits gelungen. Songwriting in hoher Qualität, kombiniert mit einer intensiven Stimme – das können die wenigsten bieten. Indie-Americana, wenn man so will, Lieder über den Umgang mit der Welt, mit dem Gegenüber. Wieder hat sich Ernesty ins Internationale zurück gezogen (dieses Mal Richtung Osten) und hat das Album in zwei Wochen im Alleingang eingespielt. Gitarren, aber auch Orgeln und ziemlich viel Chorgesang. Der Rückzug hat sich jedenfalls gelohnt, denn: "but now the demagogues won" ist ein überzeugendes Album, das wie aus einem Guss daher kommt. Und in einem kleinen, verspielten Moment klingt Ernesty gar nach The Go-Betweens - ihr Leute, die ihr Bands besonders gut findet, wenn sie aus Neuseeland oder sonstwo kommen: entdeckt Ernesty International. Anders gesagt: Album des Monats!

Die Formation Rasgue verortet sich mit ihrem Album "Echo" zwischen Jazz, Flamenco und lateinamerikanischen Musiktraditionen: neben quirligen Trompetenläufen ist hier also auch genügend Raum für präzise Gitarrensoli und Musik im laid back-Modus. Immer wieder streckt Rasgue seine Fühler auch Richtung Kuba aus, ein Stück ist nach der kubanischen Stadt "Baracoa" benannt. Ein schönes Album, für das der Gitarrist Nikos Tsiachris 9 von 10 Stücken komponiert hat - nur das abschließende "Asturias" ist eigentlich ein Klavierstück von Isaak Albeniz aus dem Jahr 1892.

Von Gnackwatschn gibt's auch Neuigkeiten: in Kürze erscheint ein neues Album, das neue Video gibt's schon, es hat den lustigen Titel: "Jetzt hobts mi soweit"

Retrospektive: Wim Wenders im Metrokino

Nach der tollen Axel Corti-Retrospektive geht es im Metro-Kino von 10. Jänner bis 4. Februar 2019 mit einer Retrospektive von Wim Wenders weiter: da gibt es Klassiker wie „Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“ oder „Lisbon Story“ genauso wie das Frühwerk „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, eine Handke-Verfilmung, zu sehen. Tipp: am 12.1. und am 2.2. läuft "Der Amerikanische Freund", in dem u.a. Bruno Ganz, Dennis Hopper und Samuel Fuller mitspielen. Die Dokumentation „Von einem der auszog“ (am 23.1.) gibt Einblicke in Wenders Arbeitsweise. Im Foyer ist auch eine Photoausstellung von rund 70 Photos von Wenders zu sehen - hingehen und alles anschauen!

Der wunderbare Plattenladen

Mauricio Boteros Buch "Don Ottos wunderbarer Plattenladen" entführt uns in die kolumbianische Hauptstadt: in Bogota betreibt besagter Don Ottos einen Plattenladen, den alle möglichen Leute aufsuchen, um nach Musik zu fragen. Don Otto ist - wie wahrscheinlich alle MusikarbeiterInnen - auch Psychologe und Sozialarbeiter in einer Person. Mehr als eine Sozialstudie über Bogota ist es aber ein kluges lesenswertes Buch über insbesondere klassische Musik, das Botero im Unionsverlag, Berlin vorgelegt hat. Obwohl klassische Musik dominiert: auch Punks kommen in diesen Laden, an dessen Beispiel Botero zeigt, dass Musik Leben verändern kann. Tipp: beim Lesen gleichzeitig die angesprochenen Platten auflegen.


Demnächst erscheinen übrigens neue Alben Bill Pritchard und von Robert Forster (The Go-Betweens), Forster wird in der Folge am 10. Mai 2019 im Wiener Akzenttheater auftreten. Eben eingetroffen: die neue EP von Go By Ocean aus San Francisco, die glasklare Indie-Rock-Songs liefert. Hier mit dem Video zu "Ring Around The Sun": (jpl)

Mauricio Botero: "Don Ottos wunderbarer Plattenladen" (7/10)
Ernesty International: "but now the demagogues won" (9/10)
Go By Ocean: "Faded Photographs" (8/10)
Rasgue: "Echo" (8/10)
Wim Wenders Retrospektive (10.1.-4.2.2019): https://www.filmarchiv.at

Live:
Do 17.01.2019: Erstes Wiener Heimorgelorchester (Literaturhaus, Seidengasse 13, 1070 Wien) 19h
Do 24.01.2019: Dota Kehr, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 20h
Fr 01.02.2019: Harlequin's Glance, 20h, 7stern, 1070 Wien
Fr 22.02.2019: Christian Masser, 19 Uhr, Solokonzert, Location: 17ten, Haslingergasse 4, 1170 Wien
Mi 27.02.2019: Madrugada, 20h, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 20h
Do 28.02.2019: littledogtown presents: Edi Mayr Trio, Fania live, Gürtelbogen 22-23, 1070 Wien, 21h