04 Mai, 2016

Hot News Mai 2016

Am 7. April 2016 war Tanita Tikaram im Wiener Akzenttheater zu Gast und hat mit ungekünsteltem Charme gepunktet und indem sie die Band in den Mittelpunkt stellte - und selbst mit dem Rücken zum Publikum, meist am Klavier sitzend, agierte. Die Songs des neuen Albums "Closer To The People" überzeugen zwar nicht alle, sind aber für Fans Pflicht, Tikarams Stimme ist noch immer aussergewöhnlich. Live durfte "Twist In My Sobriety" - ihr One-Hit-Wonder - nicht fehlen; nach all den Jahren schlicht ein sehr guter Song.
Nikolaj Efendi hat im Herbst 2015 eine Solo-Platte vorgelegt: "Red Wine Conspiracy". Eine intime Platte ist es geworden; Songs, zuhause im Schlafzimmer komponiert und abseits des Lärms seiner Hauptband Roy De Roy - die Bandkollegen haben bei Efendis Solo-Projekt aber brav mitgemacht, dafür ist Efendi dankbar, wie er sagt. Für alle, die differenziertes, schwungvolles Songwriting mögen ist "Red Wine Conspiracy" eine absolute Empfehlung.
Ganz neu ist "Tambddee Roza", die Scheibe von Marialena Fernandes & Hotel Palindrone: Die Weltmusiker aus Niederösterreich/Wien und die klassische Pianistin, die aus Indien stammt und portugiesische Wurzeln hat, begeben sich hier musikalisch wie physisch auf eine Reise - 2015 gab es Auftritte und Workshops in Indien, die dazu bestärkt haben, die vorliegende CD einzuspielen. Gut so! Herausgekommen ist ein Eklektizismus aus Klassik und Volksmusik, für den die fünf Musiker auf klassische 'Weltmusiker' wie Scarlatti und Bartok zurückgreifen - und auf Haydn, der einst walisische und englische Volkslieder bearbeitet hat. Genauso haben auf "Tambddee Roza" europäische Volksmusiktraditionen ihren Platz, all das fügt sich wunderbar zusammen und ergibt ein einzigartiges Hörerlebnis. Kurz gesagt: CD des Monats! Übrigens: Ideen für weitere Stücke gibt es bereits und ein zweiter Aufenthalt in Indien steht ebenfalls im Raum.
Damit zu Clemens Wengers neuen CD "Neapel" - der mit der Jazzwerkstatt Wien verbundene Musiker begibt sich auf seiner musikalischen Reise vom Jazz in Richtung Elektronik und schafft es durchaus zwingende Motive zu bündeln und zu loopen - Leerläufe gibt es freilich auch und so stellt man die CD am besten zu denen ins Regal, die sich erst nach mehreren Durchläufen erschließen - dann dafür aber umso intensiver.
Der Gitarrist Andreas Arnold, der auf "Ojos Cerrados" weitere Saiteninstrumente wie Bouzouki und Mandoline bedient, ist ein Latino-Aficionado: Die CD versammelt hauptsächlich Kompositionen von Arnold, die sich diversen Latino-Stilen zuwenden, von Rumba bis Fandango und Tango. Aufgenommen wurde in Spanien, gemischt und gemastered in New York. Ein leichtfüßiges Album, das Lust darauf macht, 'Barcelona' auf ein Stück Pappendeckel zu schreiben und sich an die Westausfahrt von Wien zu stellen - und dem die kämpferische Note Lateinamerikas auch nicht fehlt, in den Danksagungen heißt es: 'I want to express my admiration for the people out there standing up against injustice, in small and in big ways. Thank you Edward Snowden for being a badass.'
Der Sampler "Every Song Has Its End - Sonic Dispatches From Traditional Mali" versammelt traditionelle Stücke aus Mali und ist gleichsam eine ethno-musikalische Reise in ein Land, dass auch hier bekanntere Musiker wie Habib Koité, Issa Bagayogo, Tinariwen und Boubacar Traoré hervorgebracht hat. Der CD-Titel "Every Song Has Its End" ist durchaus programmatisch zu verstehen - denn durch die Monotonie der Rhythmen und Melodien scheint es manchmal tatsächlich kein Ende zu geben. Angesichts der hypnotischen Wirkung, die diese Lieder entfalten, braucht man vielleicht auch kein Ende und 6 Minuten durchschnittliche Spieldauer pro Stück sind zu kurz. Replay!
Ganz anders: Longriver, vor kurzem als support für Rewolfinger in Wien zu Gast: Der US-Sänger kommt in 8 Stücken und 29 Minuten auf den musikalischen Punkt, und der heißt: Alternative-Country. Gitarre, Stimme und Mundharmonika, ein paar O-Töne - mehr braucht es nicht, um countryesken Charme zu erzeugen. Und 1, 2. Ein Ohrwurm ist auch dabei, "Kuke Ree" - und das selbst gebastelte Thin-Sleeve hat Vintage-Charme.
Eine ganz andere Welt eröffnet Uwe Wagners Buch "Die Berufsausbildung zum Trader", das detaillierte Einblick in die Welt des Handelns an Börsen gibt und insbesondere charttechnische Analysen mit zahlreichen Illustrationen aufbereitet. Das Buch gibt sogar Tipps, wie man sich seinen Arbeitsplatz als Daytrader einrichten könnte - ein Werk für absolute Spezialisten und alle, die es werden wollen, das im Finanzbuchverlag erschienen ist. (jpl)

Andreas Arnold: "Ojos Cerrados" (7/10)
Nikolaj Efendi: "Red Wine Conspiracy" (7/10)
Marialena Fernandes & Hotel Palindrone: "Tambdde Roza" (9/10)
Longriver: "s/t" (7/10)
Tanita Tikaram: "Closer To The People" (6/10)
VA: "Every Song Has Its End - Sonic Dispatches From Traditional Mali" (8/10)
Uwe Wagner: "Die Berufsausbildung zum Trader" (8/10)
Clemens Wenger: "Neapel" (6/10)

L i v e:
Mi 04.05.2016: Katie Kern, Arenabar, Margaretenstr. 117, 1050 Wien, im Rahmen von FrauenMusik, 19:30h
Mo 09.05.2016: Satuo, local, Heiligenstädter Str. 31, 1190 Wien, 20h, support: Lotta Sleeps
Fr 13.05.2016: Lassos Mariachis, Concerto, Lerchenfelder Gürtel 53, 1160 Wien, support: tba, 21h
Noch bis 13.05.2016: Wean Hean 2016, Programm: www.weanhean.at
Fr 08.07.2016: Element Of Crime, Marx-Halle, 20h